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Piercing - Schmuck mit Nebenwirkungen

Schmuck wird schon lange nicht mehr nur im Ohr getragen. Alle erdenklichen Körperteile, von den Augenbrauen über die Zunge bis hin zum Genitalbereich werden mit Ringen und Steckern verziert. Während dieser Körperschmuck vor einigen Jahren nur von Randgruppen getragen wurde, sind „Piercings“ (von to pierce = stechen) längst salonfähig geworden.

Allerdings sind sie keine Erfindung rebellischer Jugendlicher. Körperschmuck ist so alt wie die Menschheit und wurde zum Schutz vor Geistern, als Zeichen der Stammeszugehörigkeit oder einfach als Zierde getragen.

Bauchringe galten in Ägypten als Adelszeichen, für römische Centurio waren Brustwarzenringe nicht nur ein Zeichen der Männlichkeit, sie dienten wahrscheinlich einem praktischen Zweck – an den Ringen konnten auch die weiten Mäntel befestigt werden. Ohrpflöcke bei den Azteken und Walfischknochen in den Wangen der Eskimos werteten ihre Träger gesellschaftlich auf.

Heutzutage kann der Körperschmuck allerdings nicht nur den Metalldetektor am Flughafen irritieren. Werden beim Piercen einige Regeln nicht beachtet, kann die Verschönerung schnell zum Alptraum werden. Nicht immer verheilt der Körperschmuck nämlich komplikationsfrei. Sehr häufig, aber meist harmlos sind eine leichte Rötungen und Schwellungen sowie mehr oder weniger starke Wundschmerzen an der Einstichstelle. Diese Beschwerden klingen in der Regel nach wenigen Tagen wieder ab.
Das gepiercte Gewebe kann nach dem Eingriff manchmal auch sehr stark anschwellen. Wird das Schmuckstück tief ins Gewebe gedrückt, kann die Entfernung ohne geeignetes Werkzeug fast unmöglich werden. Wer in der Praxis regelmäßig mit Körperschmuck konfrontiert wird, sollte deshalb für alle Fälle eine entsprechende Zange oder einen kleinen Seitenschneider zu Hand haben.

Mögliche Komplikationen

Eine seltene, aber nicht ungefährliche Komplikation ist das Erysipel, die Wundrose, die durch eine bakterielle Infektion mit Streptokokken verursacht wird. Neben einer starken Rötung treten Fieber, Schüttelfrost und Lymphknotenschwellungen auf. Das Erysipel muss mit Antibiotika behandelt werden, um langfristige Folgen wie die Entwicklung eines Lymphödems zu verhindern. Aufgrund möglicher Komplikationen sollten Piercings prinzipiell bei bekannten Herzklappenerkrankungen und Erkrankungen des Immunsystems nicht vorgenommen werden. Um Infektionen zu vermeiden, muss stets peinlichst auf die Einhaltung der Hygienevorschriften geachtet werden. Falls keine Einmalnadeln verwendet werden, ist ein Sterilisationsgerät unerlässlich, denn nur das Sterilisieren der Instrumente verhindert die Übertragung von Krankheiten wie Hepatitis oder HIV. Abwischen mit einem Desinfektionsmittel reicht hier nicht aus.

Eine weitere unangenehme Nebenwirkung ist die Entwicklung wulstiger, sogenannter hypertropher Narben, die zum Teil sehr auffällig und entstellend sein können. Ob diese Gefahr besteht, lässt sich nur schwer voraussagen. Auch wenn bereits mehrere Piercings gut verheilt sind, kann es beim nächsten Schmuckstück zu Narbenwucherungen kommen. Dann hilft nur, den Schmuck zu entfernen und die überschießende Gewebewucherung durch Kortisongaben einzudämmen. Dazu kann der Arzt lokal eine kortisonhaltige Folie anwenden (z.B. Sermaka-Folie) oder das Kortison direkt in die wulstige Narbe spritzen. Letzteres muss einmal wöchentlich, über 1 bis 3 Monate durchgeführt werden. Auch eine kryochirurgische Behandlung, das ist eine Behandlung mit flüssigem Stzickstoff, kann hier erfolgversprechend sein.

Kontaktallergien sind, vor allem wenn nickel- oder kobalthaltiger Schmuck getragen wird, relativ häufig. Juckreiz, Rötung und Ekzeme in der umgebenden Haut sind in diesem Fall typisch. Doch auch „edle“ Piercings aus Gold oder Silber können zu Unverträglichkeiten führen. Das Risiko ist hier aber deutlich geringer.

Gefahr für „Gepiercte“ lauert aber auch in Kliniken und Arztpraxen. Leider denken noch immer zu wenige Schwestern und Ärzte an den, nicht immer auf den ersten Blick sichtbaren Schmuck und nicht immer weist der Patient auf ein verstecktes Piercing hin, wenn er aufgefordert wird, allen Schmuck abzulegen. Doch das kann gefährlich werden. Die Magnetfelder bei einer Kernspintomographie können so groß werden, dass magnetischer Metallschmuck aus der Haut gerissen wird. Bei Kurzwellenbehandlungen oder bei der Anwendung von Hochfrequenzgeräten, z.B. im Rahmen chirurgischer Eingriffe, können sich die Metalle stark erhitzen und zu Brandverletzungen führen.

Örtliche Besonderheiten

Zudem hat der Körperschmuck noch individuelle, von der Lokalisation abhängige Nebenwirkungen:
Ein Nasenpiercing bereitet vor allem in der Schnupfenzeit Probleme. Das Naseputzen kann dann nämlich ziemlich schmerzhaft sein. Wird das Schmuckstück beim Schneuzen allerdings entfernt, entleert sich der Naseninhalt durch das Piercingloch, wenn es nicht richtig zugehalten wird.

„Lippenpiercings können auf Dauer die Zähne ruinieren,“ erklärt der Zahnarzt Dr. Carsten Axt aus Hofbieber. „Das Piercing wird durch die Lippe ständig auf das Zahnfleisch gedrückt. Auf Dauer kann es dadurch zu einem Abbau des Knochens im Unterkiefer kommen. Unangenehm können auch elektrische Phänomene sein, die zwischen Zahnfüllungen oder Kronen und dem Metall des Piercings auftreten.“
Mit zum Teil massiven Schwellungen muss beim Zungenpiercing gerechnet werden. Essen und Sprechen ist in dieser Zeit erschwert. „Durch das gewohnheitsmässige Spielen mit dem Zungenpiercing kann der Zahnschmelz im Frontzahnbereich geschädigt werden,“ erklärt Dr. Carsten Axt. Wird beim Durchstechen der Zunge ein Geschmacksnerv getroffen, können manche Geschmackseindrücke nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Vor allem die Geschmacksrichtung „süss“ wird häufig beeinträchtigt, da diese Wahrnehmung vor allem im vorderen Zungendrittel empfunden wird. Genau in diesem Bereich werden die Stecker oft platziert.

Wer bisher nur den Ohrlochstich kennt, sollte bedenken, dass ein Piercing an anderen Körperstellen nicht nur deutlich schmerzhafter sein kann, sondern auch viel langsamer verheilt. Während das Ohrläppchen nach 2 Wochen in der Regel keine Beschwerden mehr verursacht, kann ein Nasenpiercing drei bis vier Monate, ein Bauchnabelpiercing sogar bis zu einem halben Jahr für die Wundheilung benötigen.

Augenbrauen: Das Schmuckstück sollte möglichst seitlich, zur Schläfe hin sitzen. Die Mittellinie der Augenbrauen sollte auf keinen Fall überschritten werden, da sonst Verletzungen der Nervi frontales möglich sind. Inwieweit Metallschmuck in der Nähe der Gesichtsnerven Kopfschmerzen hervorrufen kann, ist nicht geklärt.

Ohr: Komplikationslos ist das Anbringen des Schmucks am Ohrläppchen. Hier wird meist die Pistolentechnik angewendet. Diese Technik sollte aber im Knorpelbereich nicht eingesetzt werden - es besteht hier die Gefahr, den Knorpel zu zertrümmern. Besser geeignet ist die Anwendung der Hohlnadeltechnik. Während die Wunde am Ohrläppchen in 4 Wochen verheilt ist, benötigt der Knorpel dazu bis zu einem viertel Jahr.

Nasenflügel: Probleme entstehen hier vor allem bei Schnupfen. Beim Schneuzen bereitet das Schmuckstück oft Beschwerden. Wird es entfernt, muss das Piercingloch beim Nase putzen zugehalten werden, sonst entleert sich die Nase über diese Öffnung.

Nasenwurzel: Zahlreiche Nerven verlaufen in diesem nicht unproblematischen Piercingareal. Bei Piercings in diesem Bereich besteht die Gefahr, den Trigeminusnerv zu schädigen. Die Pistolentechnik sollte hier nicht angewendet werden.

Lippen: Lippenpiercings können die Zähne ruinieren. Der Verschluss des Piercings wird durch die Lippe auf das Zahnfleisch gedrückt. Auf Dauer kann es dadurch zu einem Abbau des Knochens im Unterkiefer kommen, die Kariesentstehung wird gefördert. Unangenehm sind auch elektrische Phänomene sein, die zwischen Zahnfüllungen oder Kronen und dem Metall des Piercings auftreten können.

Zunge: Mit zum Teil massiven Schwellungen, die bis zu einer Woche anhalten, muss beim Zungenpiercing gerechnet werden. Deshalb sollte der erste Stecker etwa 50% länger sein, als die Zunge an der dicksten Stelle. Essen und Sprechen ist in dieser Zeit erschwert. In einigen Fällen sind die Patienten arbeitsunfähig und können nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Durch das gewohnheitsmässige Spielen mit dem Zungenpiercing kann der Zahnschmelz im Frontzahnbereich geschädigt werden. Wird beim Durchstechen der Zunge ein Geschmacksnerv getroffen, können manche Geschmackseindrücke nicht mehr richtig wahrgenommen werden.

Bauchnabel: Hier sollte vor allem über die lange Heilungszeit informiert werden, die bis zu 6 Monaten betragen kann. In der ersten Zeit sollte keine beengende Kleidung getragen werden, Gürtel werden oft als unangenehm empfunden. Während der Heilungsphase kommt es häufig zu Entzündung

Heilungsdauer des Piercings je nach Lokalisation

Ohrläppchen: 1 Monat
Ohrknorpel: 3 Monate

Lippe: 6 Wochen
Zunge: 2 Wochen

Nasenflügel: 2 Monate
Nasenseptum: 4 Monate

Brustwarze: 3-6 Monate

Bauchnabel: 3-6 Monate

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