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Die amerikanische Zeitschrift Health berichtete 1995 von einem Arzt, Dr. J. M. Ellis, der seit Jahrzehnten in einem kleinen Städtchen in Texas praktizierte. Um die Häufigkeit von Zuckerkrankheit und Karpaltunnel-Syndrom, einer Nervenreizung am Handgelenk, zu senken, empfahl er allen Patienten, hohe Dosen der B-Vitamine, vor allem Vitamin B6 einzunehmen.
Nach einiger Zeit stellte er Erstaunliches fest: Nicht nur Zuckerkrankheit und Nervenreizungen wurden seltener, sondern auch Herzbeschwerden und Infarkte nahmen deutlich ab und die Einwohner des kleinen texanischen Ortes lebten deutlich länger. Inzwischen ist die Ursache für die Schutzwirkung der B-Vitamine bekannt: Offensichtlich ist nicht Cholesterin der größte Feind unserer Gefäße, sondern eine Aminosäure mit dem unaussprechlichen Namen >>Homocystein<<. Homocystein bildet sich im Körper, wenn eine andere Aminosäure, das Methionin, abgebaut wird. Methionin ist in zahlreichen Lebensmitteln enthalten. Große Mengen kommen vor allem in Fleisch und Wurst vor. Nach einer solchen Mahlzeit steigt der Homocysteinspiegel stark an. Unser Organismus kann dieses schädliche Abbauprodukt wieder loswerden. Dazu benötigt er aber ausreichende Mengen der B-Vitamine. Fehlen diese, bleibt der Homocysteinspiegel dauerhaft erhöht und greift die Gefäßwände an. Die Folge sind vorzeitige Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei einer sehr seltenen Erbkrankheit, der Homocysteinurie, weisen schon kleine Kinder excessiv hohe Homocysteinspiegel auf. Schon in der frühen Jugend verkalken dadurch die Gefäße, wie man es sonst nur von Greisen kennt und fast jeder fünfte erleidet einen Herzinfarkt oder Schlaganfall vor dem 20. Lebensjahr. Nachdem die Zusammenhänge zwischen dem Aminosäurespiegel und Gefäßverkalkung bekannt wurden, bestimmten Wissenschaftler der Harvard-Universität den Homocysteinspiegel von Herzinfarktpatienten. Die 271 Patienten, die bereits Herzattacken erlitten hatten, wiesen einen deutlich höheren Homocysteinspiegel auf, als gesunde Personen. Zog man noch den Cholesterinspiegel in die Betrachtung ein, so erlitten Personen, die sowohl einen hohen Cholesterin als auch Homocysteinspiegel aufwiesen, dreimal häufiger einen Herzinfarkt, als Patienten, deren Cholesterin zwar erhöht, der Homocysteinspiegel aber im Normbereich lag. Auch bei einem Drittel der Personen, die schon vor dem 55. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten, war der Homocysteinspiegel erhöht. (Der Homocysteinspiegel sollte 10 Mikromol pro Liter nicht übersteigen.) Zuviel Homocystein macht senilDoch diese teuflische Aminosäure verdreifacht nicht nur das Herzinfarktrisiko und erhöht die Gefahr eines Schlaganfalls. Hohe Spiegel scheinen Depressionen, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen zu verursachen - alles Beschwerden, die häufig einfach auf das Alter geschoben werden. Diese vorzeitige >>Gehirnalterung<< scheint nicht nur durch den Verschluss kleiner Gehirnarterien zustande zu kommen, sondern möglicherweise auch durch ein Abbauprodukt des Homocysteins, welches eine Zerstörung der Gehirnzellen bewirken kann. |