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Johanniskraut - Sonnenschein für die Seele Drucken E-Mail

© Elza / PixelioSchon lange ist Johanniskraut in der Pflanzenheilkunde für seine stimmungsaufhellende Wirkung bekannt und hat sich besonders in der Behandlung von Winterdepressionen bewährt. Inzwischen konnten Studien die Wirksamkeit auch medizinisch belegen.

Sonnenschein für die Seele" wurde es im Mittelalter genannte, bereits in der antiken Arzneikunde fand es Verwendung und auch der berühmte Arzt Paracelsus von Hohenheim wies auf die hervorragende Wirkung des Unkrautes als Nervenmittel hin.

Die Rede ist von Johanniskraut, Hypericum perforatum, jenem bis zu einem Meter hohen, in ganz Europa und Nordafrika weit verbreiteten, gelb blühenden Kraut, das genügsam an sonnigen und trockenen Hängen, Waldlichtungen und Wegrändern wächst.

Das Johanniskraut blüht zur Zeit der Sommersonnenwende, etwa um den 24. Juni, dem Geburtstag "Johannes des Täufers". Nach ihm wurde die Pflanze benannt. Seine medizinische Anwendung lässt sich mehr als 2000 Jahre zurückverfolgen und es wird in zahlreichen Schriften der Pflanzenheilkunde als Mittel gegen Dämone, vor allem gegen den "Dämon der Schwermut und Niedergeschlagenheit", empfohlen. Bereits früh war der Medizin also die gute Wirkung der Arzneipflanze bei psychischer Verstimmung bekannt. In einem alten Kräuterbuch von Kniphof aus dem 17. Jahrhundert ist bereits zu lesen: "Johanniskraut hilft gegen den Schwindel und gegen die fürchterlichen melancholischen Gedanken." Johanniskraut ist somit eine der ältesten Arzneipflanzen.

Doch mit zunehmender Popularität der naturwissenschaftlich orientierten Medizin geriet das Wissen über das gelbe Kraut für hunderte von Jahren in Vergessenheit. Erst in neuere Zeit, bedingt durch das verstärkte Interesse von Ärzten und Patienten an Naturheilverfahren und sanfter Medizin, erlebt auch die Pflanzenheilkunde eine Renaissance. Angewendet wurde Johanniskraut in der Vergangenheit vor allem bei schlecht heilenden Wunden, Schwindelzuständen und der "Melancholie".

Tatsächlich konnte inzwischen die Wirkung der Inhaltsstoffe auf die psychische Verfassung auch schulmedizinisch durch zahlreiche wissenschaftliche Studien an mehreren tausend Personen belegt werden. Der Stoff Hypericin wurde jahrelang als wirkungsbestimmender Inhaltsstoff angesehen. Inzwischen gewinnen aber auch die weiteren Bestandteile an Bedeutung. Vor allem bei leichten und mittelschweren Depressionen, Verstimmungen und Niedergeschlagenheit ist die Wirkung von Johanniskrautextrakt vergleichbar mit der von chemischen Medikamenten gegen Depressionen, sogenannten Antidepressiva.

Depressionen sind viel weiter verbreitet, als man im Allgemeinen annehmen würde. Depressive Verstimmungen zählen zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Laut WHO muss fast jeder Vierte damit rechnen, im Laufe des Lebens mindestens eine depressive Phase zu erleben.
Oft verbirgt sich auch hinter scheinbar alltäglichen Beschwerden, die oft weder vom Arzt noch vom Patienten selber mit der Erkrankung in Verbindung gebracht werden, eine Depression. Schlafstörungen, Angstgefühle, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Antriebslosigkeit, mangelndes sexuelles Interesse oder innere Unruhe können erste Anzeichen sein. Auch körperliche Beschwerden wie Kopf- und Magenschmerzen, Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Herzbeschwerden, Druck- und Engegefühle müssen nicht immer organische Ursachen haben.
Manchmal verstecken sich dahinter ebenfalls psychische Probleme. Die genauen Mechanismen, die bei der Entstehung von Depressionen eine Rolle spielen, sind noch nicht vollständig entschlüsselt. Wahrscheinlich ist bei Menschen, die zu Depressionen neigen, das Zusammenspiel verschiedener Botenstoffe im Gehirn gestört. Der in Johanniskrautextrakten enthaltene "Wirkstoffcocktail" greift wahrscheinlich gleich an mehren "Störstellen" ein und bringt das "chemische Durcheinander" im Nervensystem innerhalb weniger Wochen wieder in Ordnung.
Möglicherweise werden zahlreiche körpereigene Botenstoffe, die sich positiv auf die Stimmung auswirken, unter dem Einfluss von Johanniskraut nur langsam abgebaut und bleiben so länger aktiv. In Anbetracht der weiten Verbreitung der Depressionen ist es besonders erfreulich, dass mit Johanniskraut nicht nur ein wirksames, sondern auch ein nebenwirkungsarmes Gegenmittel zur Verfügung steht. In mehreren Untersuchungen zeigte sich nach einer Behandlungsdauer von etwa vier Wochen eine deutliche Beschwerdebesserung. Besonders Schlafstörungen, die zu den ersten Symptomen einer sich entwickelnden Depression zählen, sprachen hervorragend auf die Behandlung an.

Wichtig für den Therapieerfolg ist eine ausreichend hohe Dosierung. Dreimal täglich sollten 300 Milligramm Johanniskrautextrakt eingenommen werden. Eine regelmäßige Einnahme über mindestens vier Wochen ist notwendig, denn die volle Wirkung des Mittels wird erst nach zehn- bis vierzehntägiger Anwendung erreicht. Bei Bedarf spricht aber auch nichts gegen eine längerfristige Anwendung. Sollte die Wirkung aber auch nach sechs- bis achtwöchiger regelmäßiger Einnahme ausbleiben und sind die depressiven Verstimmungen ausgeprägt, sollte auf ein synthetisches Antidepressivum umgestiegen werden. Ebenso sollten sehr schwere Depressionen nicht alleine mit Johanniskraut behandelt werden. Auch hier sind chemische Antidepressiva, allein oder in Kombination mit pflanzlichen Wirkstoffen, notwendig. Im Gegensatz zu den chemisch hergestellten Medikamenten sind die Nebenwirkungen des pflanzlichen Stimmungsaufhellers relativ gering. In einigen Fällen wird über leichte Magenbeschwerden geklagt.

Eine weitere Nebenwirkung ist eher theoretischer Art. Bei hellhäutigen Weidetieren wie Kühen, Schafen, Rindern oder Schweinen, die auf der Koppel große Mengen Johanniskraut verzehrten und danach intensiver Sonnenbestrahlung ausgesetzt waren, traten sonnenbrandähnliche Hauterscheinungen auf. Beim Menschen konnten solche Reaktionen, selbst bei Einnahme der doppelten empfohlenen Dosis, bisher nicht nachgewiesen werden. Sicherheitshalber sollten aber vor allem hellhäutige Personen während der Einnahme von Johanniskrautpräparaten auf ausgedehnte Sonnenbäder oder Solariumsbesuche verzichten. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Johanniskraut nicht eingenommen werden, da die Risikolosigkeit dieses Präparates für diese Sonderfälle noch nicht ausreichend belegt ist.

Örtlich angewandt soll Johanniskrautöl Muskel- und Nervenschmerzen lindern, Wunden und Verbrennungen schneller zum Abheilen bringen. Wer dieses wirkungsvolle Hausmittel einmal selber ausprobieren möchte, kann sich das Johanniskrautöl nach einem einfachen Rezept selber herstellen. Das Öl sollte, um Sonnenbrände und Lichtreizungen zu vermeiden, allerdings nicht vor dem Sonnenbaden eingerieben werden.

Johanniskrautöl

1. Eine Hand voll frischer Johanniskrautblüten im Mörser zerreiben und in eine Flasche oder ein Glas füllen.

2. Mit Olivenöl aufgießen, bis alle Blüten bedeckt sind.

3. Zunächst unverschlossen (Gärung) 5 Tage an einem warmen Ort stehen lassen.

4. Dann verschließen und so lange in der Sonne stehen lassen, bis das Öl eine rote Farbe annimmt. Das dauert ca. 3 Wochen.

5. Den Flascheninhalt abgießen.

Das Öl ist fast ein Jahr lang haltbar.

 
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