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Wer glaubt, durch völlige Abstinenz seinem Körper etwas Gutes tun zu können, der irrt. Inzwischen steht nämlich eindeutig fest: Wer regelmäßig kleine Mengen Alkohol trinkt, erleidet seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und bleibt länger jung. Mäßiger Alkoholgenuss bringt in der Regel keine gesundheitlichen Risiken mit sich. In verschiedenen Untersuchungen konnte außerdem festgestellt werden, dass >>Wenig-Trinker<< sogar länger leben als Abstinenzler.
In verschiedenen Studien konnte immer wieder nachgewiesen werden, dass viele sehr alte Menschen täglich Alkohol in kleinen Mengen konsumieren. Franke, ein bekannter Altersforscher aus Würzburg, untersuchte 548 Hochbetagte und stellt fest, dass mehr als die Hälfte täglich kleine Mengen Alkohol tranken. Ein bis zwei Gläser Wein, überwiegend Rotwein, war das beliebteste Getränk. Auffallend ist, dass es in Frankreich etwa dreimal weniger Herzinfarkte gibt, als in Amerika, obwohl die Franzosen bekanntlich keine Kostverächter sind und bei Butter, Sahne und Käse kräftig zulangen - oft mehr als die Amerikaner. Auch beim Trinken liegen die Franzosen um Längen vorne. Der Durchschnittsfranzose trinkt etwa zehnmal mehr Alkohol, als der Durchschnittsamerikaner. Ähnlich liegen die Verhältnisse auch in Italien und Spanien. In diesen Ländern sind ein bis zwei Glas Wein zum Essen üblich und die Herzinfarktraten niedriger, als in Ländern mit anderen Tischsitten. Bekannt ist der Zusammenhang zwischen mäßigem Alkoholkonsum und Schutz vor Arterienverkalkung schon länger. Um 1920 wurde eine der ersten Studien zu diesem Thema in Baltimore durchgeführt. Hunderte von ähnlichen Untersuchungen kamen in den letzten zwanzig Jahren alle zu dem gleichen erstaunlichem Ergebnis: Alkohol hält die Arterien frei, verringert das Herzinfarktrisiko um 25-60% gegenüber Antialkoholikern und bietet einen gewissen Schutz vor Schlaganfall. Wissenschaftler der renommierten Harvard University in Boston befragten und untersuchten über einen Zeitraum von vier Jahren 87.526 Krankenschwestern. Dabei achteten sie vor allem auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen, dadurch bedingte Todesfälle und den täglichen Alkoholkonsum. Das Ergebnis war überraschend: Am häufigsten erkrankten oder starben die Frauen an Herzinfarkt oder Schlaganfall, die abstinent lebten und sich nie ein Gläschen gönnten. Ihr Erkrankungsrisiko wurde mit 1,0 festgesetzt. Krankenschwestern, die durchschnittlich 5-14 Gramm Alkohol zu sich nahmen, hatten bereits ein deutlich niedrigeres Risiko. Aber 25 Gramm Alkohol täglich konnten das Herzinfarktrisiko um die Hälfte mindern. Das entspricht etwa 2 Gläsern Wein täglich. Von allen Alkoholika scheinen solche, die zum Essen getrunken werden, die größte Schutzwirkung zu haben. Durch die Kombination mit der Mahlzeit steigt der Alkoholspiegel langsamer an und der Schutz vor Blutverklumpungen, die oft nach einem fetten Essen auftreten, bleibt länger bestehen. Wer von der verjüngenden Wirkung eines guten Glases Weins profitieren möchte, muss auf die "Dosis" achten. 25 Gramm Alkohol (1-2 Gläser Wein) täglich sind das Maximum, wenn man Herzschutz ohne Leberschaden möchte. Frauen sollten eher weniger täglich trinken, denn sie haben weniger Magenenzyme, die den Alkohol schon vor die Aufnahme in die Blutbahn aufspalten können und auch ihre alkoholabbauenden Leberenzyme sind weniger aktiv. Wer allerdings absolut keinen Alkohol trinken darf oder möchte, kann auch täglich ein Glas Traubensaft trinken - auch darin sind wichtige Schutzstoffe für unsere Gesundheit enthalten. |