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Medizin aus dem Obstkorb
Der Einfluss einer obst- und gemüsereichen Ernährung auf unsere Gesundheit ist seit langem bekannt und in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen. Wer zum Beispiel täglich mindestens drei Portionen Obst oder Gemüse isst, hat ein um 27 Prozent geringeres Risiko für Schlaganfälle. Die Gefahr für einen Herzinfarkt verringert sich gleichzeitig um rund 25 Prozent – das hat eine amerikanische Langzeitstudie an rund 9.600 Erwachsene im Alter von 25 bis zu 74 Jahren ergeben. Ein reichlicher Verzehr von Pflanzenkost kann aber auch den Blutdruck senken so das Ergebnis der Intermap-Studie des Londoner Imperial College. Hierzu wurde der Blutdruck von 4680 Personen regelmäßige gemessen.
Stieg der Anteil an pflanzlichen Nahrungsmitteln auf dem Speisezettel, sanken parallel dazu die Blutdruckwerte. Auch den Augen bekommt der Griff in den Gemüsekorb: Wer regelmäßig Spinat, Grünkohl, Staudensellerie, Lauch, Broccoli, Kopfsalat und Erbsen auf dem Teller hat, leidet seltener an Augenkrankheiten. Doch warum sind Menschen, die häufig Pflanzenkost verzehren gesünder? Durch den reichlichen Obst- und Gemüseverzehr nehmen wir hochkonzentrierte Schutzstoffe auf, die unsere Zellen vor Verletzungen und Beschädigungen bewahren. Verursacht werden diese durch vor allem durch so genannte freie Radikale. Da wir diesen aggressiven Angreifern Tag für Tag ausgesetzt sind, ist es unerlässlich, mehrmals täglich für Schutzstoff-Nachschub zu sorgen. Besonders hoch konzentriert kommen diese in Obst, Gemüse und Getreide vor.
Wie gut ist Ihr Schutzwall aufgestellt?
Entkommen können wir den freien Radikalen nicht, sie sind überall und werden jeden Tag aufs Neue produziert: Durch Sonnenlicht, Stress und Zigarettenrauch, wenn wir intensiv Sport treiben oder uns falsch ernähren, bei der Verdauung oder Atmung. Doch der Körper kann sich gegen diese Feinde wehren.
Unsere Verbündete im Kampf gegen die freien Radikale finden wir in Obst, Gemüse, Salat, Fruchtsäften und Tees, denn nur diese enthalten wichtige Schutzstoffe, so genannte „Radikalenfänger“ oder „Antioxidantien“ in nennenswerten Mengen. Die Antioxidantien sind in der Lage, freie Radikale zu binden und damit deren zerstörerisches Treiben zu beenden. Reicht es aus, einfach mal öfters in den Obstkorb zu greifen, um unseren Organismus vor dem Einfluss der gefährlichen Moleküle zu bewahren? Nicht unbedingt!
Das Schutzpotential, das Sie mit der Ernährung aufbauen können, hängt ganz entscheidend von den Obst- und Gemüsesorten bzw. den Getränken ab, die Sie zu sich nehmen. Denn gerade in ihrer Schutzwirkung unterscheiden sich die einzelnen Nahrungsmittel ganz erheblich. Kaum jemandem ist bisher diese Tatsache bekannt und deshalb greifen wir oft zu solchen Obst und Gemüsesorten und Getränken, die zwar nicht schaden, sie allerdings auch nicht optimal versorgen.
Stellen Sie sich vor, zwei Personen wollen etwas für ihre Gesundheit tun. Die erste Person verzehrt 500 Gramm Pfirsiche und 500 Gramm Gurken.
Die andere Person trinkt lediglich ein 0,2 Liter Glas Sauerkirschsaft. Bei oberflächlicher Betrachtung scheint die erste Person ungleich besser versorgt zu sein. Vergleicht man aber den Gehalt an aufgenommenen Schutzstoffen, hat die zweite Person – trotz der kleinen Menge – etwa achtmal mehr hautwirksamer Radikalenfänger zu sich genommen.
Die Schutzwirkung, das so genannte „antioxidative Potential“ der einzelnen Obst- und Gemüsesorten oder der daraus zubereiteten Säfte kann man mit Hilfe eines Tests messen. Hier vergleicht man die Schutzwirkung einzelner Nahrungsmittel mit der eines synthetischen Vitamin E Präparates (Trolox). Vielleicht wissen sie, dass Vitamin E ein wirkungsvolles Antioxidans ist und freie Radikale abfangen kann. Doch manche Obst- und Gemüsesorten können noch viel mehr. So liegt die Schutzwirkung von Holundersaft etwa 55 mal höher, als die des Vitamin E und je höher dieser Wert ist, desto besser schützen die entsprechenden Nahrungsmittel den gesamten Körper vor den Angriffen der freien Radikale
Der liebste Saft der Deutschen ist der Apfelsaft. Jeder von uns trinkt im Jahr etwa 13 Liter davon. Die meisten von uns sind davon überzeugt, dass sie mit dem Genuss von Apfelsaft etwas Gutes für die Gesundheit tun. Sicher hat dieser Saft eine Menge wichtiger Mineralstoffe. Eine Schutzwirkung gegen vorzeitige Alterung können Sie mit diesem Getränk allerdings nicht aufbauen, denn Apfelsaft zählt zu den Getränken mit dem niedrigsten Schutzfaktor. Wenn Sie mit Apfelsaft den gleichen Alterungsschutz erreichen wollen, wie mit einem 0,2 Liter Glas Johannisbeersaft, müssten Sie 32 Gläser (!!) (etwa 6,5 Liter!) Apfelsaft trinken.
Obst und Gemüse im Vergleich
Die antioxidative Schutzwirkung pflanzlicher Nahrungsmittel und Getränke ist sehr unterschiedlich. Eine hohe Schutzkapazität haben vor allem dunkle Beerensäfte, Rotwein und grüner sowie schwarzer Tee. Vergleicht man diese miteinander, so entspricht zum Beispiel das Schutzpotential von einem Glas Holundersaft dem von 55 Gläsern Apfelsaft.
Schutzpotential von Getränken im Vergleich
1 Glas Holundersaft = 2 Gläser schwarzer Johannisbeersaft = 4 Gläser Rotwein = 6 Gläser grüner Tee = 14 Gläser roter Traubensaft = 55 Gläser Apfelsaft
Schutzpotential von Obst und Gemüse im Vergleich
100 g Spinat = 100 g Paprika = 200 g Orangen = 240 g Rucola = 300 g Kirschen = 650 g Kopfsalat = 1900 g Gurken
Angaben zur genauen Schutzkapazität einzelner Obst- und Gemüsesorten sowie Getränken finden Sie in dem Buch "Einfach besser essen", Herbig Verlag 2007
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