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Mangelernährung in Altenhilfe vorbeugen
fzm - In Würde seinen Lebensabend verbringen - für viele hochbetagte Menschen sieht die Realität oft anders aus: Die Sinneswahrnehmungen lassen nach, körperliche Behinderungen, Inkontinenz und Demenzerscheinungen bestimmen den Alltag. "Ein weiteres Problem - auch in Krankenhäusern und Einrichtungen der stationären Altenhilfe - ist die unzureichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen", charakterisiert Claudia Menebröcker in der neuesten Ausgabe von "Ernährung & Medizin" (Hippokrates Verlag Stuttgart) die Situation.
Appetitlosigkeit und Beschwerden beim Schlucken, aber auch Ängste, Trauer und Wut über die eigene Hilflosigkeit können neben körperlichen Behinderungen für Ess- und Trinkprobleme verantwortlich sein. Mangelernährung beeinträchtige, so Menebröcker, den Allgemeinzustand der alten Menschen, führe zum Abbau von Muskelmasse und erhöhe das Risiko von Infektionen. "Diese Komplikationen verlängern den Genesungsprozess, sie belasten den Patienten und erhöhen die Kosten für Pflege und Behandlung", fasst die Autorin zusammen.
Bei der Therapie von Mangelernährung müssten die speziellen Bedürfnisse und körperlichen Probleme des Einzelnen im Vordergrund stehen. "Es muss unterschieden werden, ob der Patient nicht essen will, weil er sich vielleicht nicht wohl fühlt, oder ob er einfach nicht essen kann aufgrund körperlicher oder kognitiver Beeinträchtigungen." Da Essen und Trinken mehr als reine Nährstoffaufnahme sei, müssten die geriatrischen Einrichtungen darauf achten, die Lust am Essen aufrecht zu erhalten.
Essen und Trinken sei für viele untrennbar verbunden mit Geselligkeit und sozialen Kontakten. Wichtig sei daher, so die Diätassistentin für Geriatrische Ernährungstherapie, es den Senioren zu ermöglichen, gemeinsam zu essen. Menschen mit Demenz könnten dabei beispielsweise die Abläufe bei den anderen Tischgästen sehen und nachmachen.
Es sei stets von Bedeutung, die Selbstständigkeit solange wie möglich zu fördern. So sollten die alten Menschen "aufrecht am Tisch sitzen, um selber agieren zu können", rät Menebröcker. Selbstbedienungsbüffets unterstützten auch das Gefühl, selbstbestimmt zu handeln, da sie die Möglichkeit böten, sich Speisen auszusuchen, die man gerne mag. Fingerfood - das heißt, in mundgerechten Stücken servierte Kost, die gut zu greifen ist - sei für all jene angebracht, die nicht mit Besteck essen könnten oder wollten. Auf püriertes Essen sollte dagegen wann immer es gehe verzichtet werden: es sei wenig appetitanregend und für die Betroffenen oftmals nicht zu erkennen.
Da viele Hochbetagte unter Sehstörungen leiden, sollten sich, so die Autorin, Gläser, Flaschen und Teller deutlich vom Tisch abheben. Ein Teller mit einem farbigen Rand sei einem weißen Teller vorzuziehen, da seine Konturen auf einer weißen Tischdecke besser auszumachen seien. Dies erleichtere es den Senioren, ohne Hilfe zu essen. Wenn das Fachpersonal helfend eingreifen müsse, dann "dezent und unauffällig", rät Menebröcker. Auch dies stärke das Wohlbefinden und die Lebensqualität der alten Menschen.
C. Menebröcker: Ernährung hochbetagter Menschen in Geriatrie und Altenhilfe. Praktische Aspekte. Ernährung und Medizin 2006; 21: 69-71
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