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Ist Inline-Skaten ein gefährlicher Sport?

(psg) Für eine große Zahl aller Inline-Fans endet der Ausflug auf den acht schnellen Rollen irgendwann einmal im Behandlungszimmer eines Arztes. Das stellten Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Allgemeine Orthopädie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster vor kurzem fest. Sie befragten 683 Inline-Skater in norddeutschen Städten und weitere 353 Skater per Internet. Ist Inline-Skating demnach ein gefährlicher Trendsport?

Die Fakten scheinen es zu belegen: 60 Prozent der 1036 Befragten hatten sich beim Skaten bereits verletzt. 37 Prozent von ihnen mussten sogar ärztlich versorgt werden. 61 Prozent davon kamen noch einmal glimpflich mit kleineren Blessuren (hauptsächlich Schürfwunden) davon. Ernster sah die Sache für den Rest der Verunglückten aus: 31 Prozent trugen Zerrungen oder Verstauchungen davon, acht Prozent sogar Brüche. Insgesamt wurden die meisten Blessuren – 16 Prozent – an der Hüfte diagnostiziert. Auch Unterarme (14 Prozent), Ellenbogen (12 Prozent), Knie (11 Prozent), Handgelenke und Finger (je 10 Prozent) wurden häufig verletzt. Von Gehirnerschütterungen, Kiefer- und Schädelbrüchen oder anderen gefährlichen Kopfverletzungen blieben die meisten Skater verschont. Nur sieben Prozent der Befragten waren beim Sturz schon einmal mit dem Kopf aufgeschlagen. Die meisten von ihnen kamen mit einer Platzwunde davon.

Klinikstatistik zeigt: viele Knochenbrüche

Auch Krankenhäuser liefern beunruhigende Daten: Ärzte der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf versorgten in zwei Monaten 30 verletzte Inline-Skater. In 49 Prozent der Fälle hatten sich die Skater Knochenbrüche zugezogen. 27 Prozent der Patienten klagten über Prellungen und Schürfwunden, 16 Prozent litten an Kapsel- und Bandverletzungen. In acht Prozent der Fälle mussten die Sportler sogar operiert werden.

In der überwiegenden Zahl der Fälle hatten Stürze die Verletzung verursacht. Kein Wunder, wenn man die Häufigkeit betrachtet, mit der Inline-Skater hinfallen: Ein Viertel der von den Mitarbeitern der Uni Münster Befragten gab an, schon ein- bis viermal gefallen zu sein. 20 Prozent waren bereits fünf- bis zehnmal gestürzt. Und 16 Prozent gaben zu, mehr als fünfzigmal auf dem Hosenboden gelandet zu sein. Der Grund: mangelhafte Fahrtechnik. Insbesondere das Bremsen bereitete vielen Skatern Schwierigkeiten. 16 Prozent der Befragten gaben an, nur unter erheblichen Problemen zum Stehen zu kommen, und sieben Prozent konnten überhaupt nicht bremsen. Viele gestanden, sich zum Stoppen an feststehenden Gegenständen wie Ampeln oder Verkehrsschildern festhalten zu müssen.

Trotzdem wagte sich jeder fünfte Skater ganz ohne Schutzausrüstung auf die Rollen. 67 Prozent verwendeten lediglich eine Teilausrüstung. Nur 17 Prozent gaben an, stets Helm, Ellenbogen-, Knie- und Handgelenkschoner zu tragen. 73 Prozent der Befragten hatten die Sportart zudem autodidaktisch erlernt. Nicht einmal die Hälfte wußte, dass es spezielle Skating-Kurse gibt, die Grundtechniken des Fahrens, Bremsens und Fallens vermitteln. An Interesse mangelt es indes nicht: Drei von vier Befragten wünschten sich mehr Information zum Inline-Sport. Die wichtigsten Informationen rund um Sicherheit und Einstiegstraining sind in dem Magazin "Easy Inline: Inline-Skating – aber sicher!" zusammengefaßt. Das Heft ist in AOK-Geschäftsstellen kostenlos erhältlich.

Achtung, Anfänger!

Inline-Skaten macht nicht nur Spaß, sondern ist auch gesund. Kein Wunder, dass sich Inline-Skaten quer durch die Generationen zum Trendsport mit rund zehn Millionen Anhängern entwickelt hat. Und die Fangemeinde wächst kontinuierlich weiter. Doch mit dem ersten Unfall nimmt die Begeisterung oft ein jähes Ende. Wer langfristig Spaß an dem schnellen Sport haben will, sollte daher gleich zu Anfang die nötigen Fahr-, Brems- und Falltechniken erlernen.

Ein sicherer Skater wird, wer sich gleich nach dem Kauf der Inline-Skates in einen Inline-Kurs einschreibt. Dort stehen die wichtigsten Techniken zum Fahren, Bremsen und Fallen auf dem Programm. Die Skate-Lektionen zahlen sich aus: Nach Meinung von Inline-Skating-Experten kann etwa jeder zweite Skater nach einem guten Einstiegstraining einen Skate-Unfall verhindern. Doch nur jeder zwanzigste Inline-Skater hat je einen Inline-Kurs unter der Anleitung ausgebildeter Instruktoren absolviert.

Nur jeder vierte kann sicher bremsen

Eine Studie der Universität Münster zeigt die Folgen: Nur jeder vierte Inline-Skater kann sicher bremsen. Ebensoviele haben dabei größte Probleme. Sieben Prozent beherrschen keine einzige Bremstechnik und sind bei ihren Anhaltemanövern auf Laternenpfähle, Verkehrsschilder oder Fußgänger angewiesen. Gleichzeitig ist nachgewiesen, dass ein Gleichgewichtsverlust beim Bremsen die Hauptursache für Stürze beim Inline-Skating ist.

Was sollten Einsteiger beim ersten Übungslauf im Freien außer der sicheren Fahr-, Brems- und Falltechnik noch beachten? Bevor es losgeht, ist Aufwärmen angesagt. Dann wird die Ausrüstung angelegt. Mit Ruhe, damit Helm, Ellenbogen-, Knie- und Handgelenkschoner fest und sicher sitzen. Statt dann mit Vollgas zu starten, sollten Anfänger ihre Geschwindigkeit nach und nach steigern und immer an ihren individuellen Könnensstand anpassen. Auch die Streckenlänge sollte Kondition und Können entsprechen. Wer ab und zu eine Entspannungspause einlegt, klagt nachher nicht über Muskelkater. Um den Rücken zu schonen, sollten Anfänger sich beim Fahren in relativ aufrechter Haltung bewegen, leicht vorgebeugt, damit das Gleichgewicht besser gehalten werden kann. Die tiefgeduckte Position ist nur für Speed-Skater zu empfehlen.

Sichere Strecken wählen

Ausflüge ins Ungewisse sind für Anfänger tabu. Nur glatt asphaltierte Wege mit einer Mindestbreite von drei Metern eignen sich für die ersten Outdoor-Übungen. Steigungen und Gefälle von mehr als drei Prozent sowie enge und scharfe Kurven sind nichts für Anfänger. Das gleiche gilt für stark frequentierte Straßen oder Wege. Für den Fall der Fälle sollte links und rechts des Wegesrandes immer eine Auslaufzone vorhanden sein - je weicher, desto besser.

Auch für Skater gelten Verkehrsregeln. Gefahren wird stets auf der rechten Seite des Weges, überholt auf der linken. Im Zweifelsfall haben Fußgänger und Radfahrer den Vortritt. Damit Passanten frühzeitig wissen, dass ein Skater sie überholt, sollten die Sportler zur Ankündigung frühzeitig klingeln oder rufen. Rücksichtnahme ist hier das oberste Gebot. Wer Spaß am Inline-Sport gefunden hat, kann sich einem Verein anschließen. Über Vereine, Kurse und Wettbewerbe in ganz Deutschland informieren der Deutsche Rollsport- und Inline-Verband (DRIVe) und der Deutsche Inline-Skate-Verband (D.I.V.).

Deutscher Inline-Skate-Verband e.V. (D.I.V.)
Bergstraße 20
64342 Seeheim-Jugenheim
Tel. 06257 / 96 22 36

Deutscher Rollsport- und Inline-Verband (DRIVe)
Sterngasse 5
89073 Ulm
Tel. 0731 / 66 41 4

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