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Ginkgo unwirksam zur Förderung des Gedächtnis?

Nussbaumen/Schweiz - Teils mit dem Ziel, von sich reden zu machen, teils aus bloßer Freue am Widerspruch und an der daraus resultierenden Verwirrung verlegen sich manche Wissenschaftler darauf, überliefertes Wissen aus Pharmazie und Heilkunde aggressiv in Frage zu stellen.


Die Vorgehensweise verläuft dabei häufig nach dem folgenden Muster: Man nehme eine als pharmazeutisch wirksam bekannte Substanz, reduziere die Dosierung auf ein Niveau an der Grenze der Wirksamkeit und unternehme damit einen zeitlich stark verkürzten Patienten-Versuch.

Und dies - um den Anschein der Wissenschaftlichkeit zu wahren - im Rahmen einer klinischen, placebokontrollierten Doppelblindstudie. Diese wird mit einer - meist erst noch unspezifisch zusammengestellten - Gruppe von Patienten durchgeführt, die Auswertung auf ein enges Spektrum von Fragestellungen fokussiert.

Und wenn dann - wie von den Protagonisten geplant oder erhofft - keine deutlichen Unterschiede zwischen der Gruppe der Wirkstoff- und jener der Placeboverzehrer ausgemacht werden können, so wird das Resultat lautstark als schlagender Beweis für die völlige Unwirksamkeit der Substanz in alle Welt hinausposaunt.

So ganz offensichtlich auch bei der jüngsten Studie zum Thema „Ginkgo Biloba“. Präparate aus diesem seit Urzeiten als Heilpflanze genutzten Baum werden im allgemeinen für die Förderung der Durchblutung und in dieser Eigenschaft auch für die Stimulierung der Hirnleistungen genutzt. Die Wirksamkeit der entsprechenden Phyto-Wirkstoffe ist in verschiedensten Langzeit-Studien dokumentiert.

Nun haben jedoch Forscher um den amerikanischen Psychologen Paul R. Solomon vom Williams-College in Williamstown ein Versuchsdispositiv aufgebaut mit dem Ziel, die Wirkung des pflanzlichen Heilmittels an 230 Freiwilligen zwischen 60 und 82 Jahren zu testen. Der einen Probandengruppe wurden während 6 Wochen täglich 40 Milligramm eines Ginkgo-Extrakts verabreicht, während die zweite mit Scheinmedikamenten versorgt wurde. Zu Beginn und am Ende der Untersuchung mussten die Versuchspersonen Hirnleistungstests absolvieren. Nach Feststellung des Forschungsteams schnitten die mit Gingko-Präparaten versorgten Personen dabei nicht besser ab als jene der Kontrollgruppe.

Daraus zogen die Forscher im Rahmen eines Beitrags, den sie im Journal of the American Medical Society publizierten, den Schluss, dass Ginkgo Biloba die Gedächtnisleistung älterer Menschen nicht verbessere. Diese Behauptung ist unwissenschaftlich, denn das einzige, was die Untersuchung belegt, ist der Sachverhalt, dass mit einer Tagesdosis von 40 mg des verwendeten Ginkgo-Präparats in sechs Wochen keine signifikanten Resultate zu erzielen sind.

Wäre die Untersuchung auf die Erforschung der Wirksamkeit von Ginkgo-Präparaten statt auf den offenbar vorsätzlichen Beweis ihrer Unwirksamkeit ausgerichtet worden, so hätte parallel dazu zumindest eine Untersuchung mit 180 bis 240 mg Ginkgo-Extrakt pro Tag während eines Zeitraums von einem Jahr durchgeführt werden müssen. Denn die meisten Phyto-Präparate zeigen ihre Wirkung erst im Rahmen einer Langzeit-Anwendung.

Solche Studien wurden in den USA unternommen, und sie kamen zu anderen Resultaten als jene von Prof. Solomon. Gute Ergebnisse gab es insbesondere bei Untersuchungen über den Einfluss einer Langzeit-Supplementation mit Ginkgo bei Alzheimer-Patienten und bei Personen mit Gedächtnisstörungen anderer Ursachen.

Quelle: pte online

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