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fzm - Bis Mitte Oktober sind in Deutschland bereits über 110.000 Menschen an einer Norovirus-Infektion erkrankt, mehr als in irgendeinem Jahr zuvor. Da die meisten Erkrankungen in den Wintermonaten auftreten, erwartet ein Experte in der "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) für die nächsten Monate neue Ausbrüche. Noroviren sind hochgradig ansteckend.
Binnen weniger Stunden kommt es zu einem wässrigen Durchfall und häufig zu schwallartigem, geradezu explosivem Erbrechen. Die Erkrankten scheiden dann größere Virusmengen aus, die durch die üblichen Reinigungs- und Desinfektionsmittels nicht abgetötet werden, erläutert Professor Thomas Schneider von der Berliner Charité. Dort kam es im Winter 2002/2003 zu einem der größten Ausbrüche. Über Monate erkrankten immer wieder Patienten, und die Epidemie konnte erst gestoppt werden, als einige Stationen zeitweise geschlossen wurden. Der Ausbruch traf die Ärzte unvorbereitet, erinnert sich Professor Schneider. Norovirus-Infektionen waren den meisten Ärzten zu dieser Zeit nicht geläufig. Kein Wunder: Obwohl das Krankheitsbild seit mehr als 50 Jahren bekannt ist, hatte es selten größere Ausbrüche gegeben. In den Folgejahren kam es immer wieder zu Epidemien in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindertagesstätten oder auch auf Kreuzschiffen. Die Ursache vermutet Professor Schneider in genetischen Veränderungen der Erreger: Vermutlich habe ein "Antigen-Drift" die Viren ansteckender und widerstandsfähiger gemacht. Für Gesunde sind Novovirus-Infektionen zwar in den meisten Fällen harmlos, wegen der hohen Flüssigkeitsverluste können sie für ältere Menschen und Kinder tödlich sein. Auch an der Charité gab es 2002/2003 einen Todesfall zu beklagen. Eine Diagnose von Noroviren ist heute mit Gensonden möglich. Durch die Entschlüsselung einzelner Gene könne bei einem Ausbruch sogar die Herkunft der Viren zurückverfolgt werden, sagt Professor Schneider. Bis die Laborergebnisse vorliegen, dürfe allerdings nicht gewartet werden. Wegen der schnellen Ausbreitung müsse bei einem Anfangsverdacht sofort reagiert werden. Erkrankte Patienten und alle, mit denen sie Kontakt hatten, müssten sofort abgeschirmt werden, entweder durch Verlegung in ein Einzelzimmer oder durch Zusammenlegung in abgegrenzten Bereich ("Kohortenisolierung"). Besucher, Personal und Ärzte müssten vor Betreten des Zimmers Kittel, Handschuhe und einen Mundschutz anlegen. Um die Ausbreitungskette zu stoppen, sollte betroffenes Personal für mehrere Tage vom Dienst freigestellt werden. Eine hundertprozentige Methode zur Vermeidung der Ausbrüche gibt es laut Professor Schneider nicht. Er erwartet deshalb, dass Noroviren auch in den nächsten Monaten wieder für Schlagzeilen sorgen werden. T. Schneider et al.: Noroviren: häufigste Ursache infektiöser Gastroenteritiden. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (43): S. 2261-2266 |