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Tinnitus-Retraining-Therapie Drucken E-Mail

© Semen Grinberg / PixelioEtwa drei Millionen Deutsche leiden unter dauerhaften Ohrgeräuschen (chronischer Tinnitus), für die es eine neue Therapie gibt. Sie kann das störende Klingeln, Pfeifen, Brummen oder Zischen zwar nicht abstellen, soll es aber für den Patienten erträglicher machen, so dass er es nach einiger Zeit kaum noch wahrnimmt. In der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" stellten Hals-Nasen-Ohrenärzte die Tinnitus-Retraining-Therapie vor.


Der Tinnitus entsteht zwar im Innenohr, mit der Zeit hinterlassen die quälenden Geräusche jedoch ihre Spuren im Gehirn. Nach einem Modell von Professor Pawel Jastreboff von der Emory Universität in Atlanta/USA entwickeln die Geräusche schließlich ein Eigenleben. Wie ein Pawlowscher Reflex können sie dann durch Stresssituationen hervorgerufen werden. Diese Ansicht wird zwar von deutschen Experten nicht vollständig geteilt, wie Prof. Hans-Peter Zenner von der Universität Tübingen gegenüber der DMW ausführt. Seiner Ansicht nach entsteht das Leiden nicht auf der Reflex-, sondern auf der Wahrnehmungsebene. Die von Jastreboff entwickelte "Tinnitus-Retraining-Therapie" wurde an mehreren deutschen Universitäten jedoch übernommen. Dabei soll der Patient – ganz im Sinne der Pawlowschen Psychologie – die Tinnitusgeräusche durch ähnliche Geräusche auslöschen. Die Patienten erhalten dazu spezielle Rauschgeräte. Indem sie sich auf die neuen Geräusche konzentrieren, tritt der Tinnitus mit der Zeit in den Hintergrund. Klinische Studien konnten laut Professor Zenner jedoch niemals zeigen, dass diese Extinktion wirklich funktioniert. Wirksam sei die Behandlung nur dank der begleitenden Beratung, dem "counseling" der Patienten. In mehrtägigen Sitzungen werden die Patienten über die Ursachen des Tinnitus und die neue Therapie ausführlich informiert. Das Begreifen ist, wie Professor Zenner ausführt, der Kern einer kognitiven Verhaltenstherapie.
Auch für Dr. Birgit Mazurek von der Berliner Charité ist das "Counseling" die wichtigste Säule der "Tinnitus-Retraining-Therapie". Hinzu kommen in Berlin psychologische Betreuung, Entspannungstechniken und die Geräteversorgung. "Der Patient muss lernen, auf seine Hörsituation auf neue und andere Weise umzugehen", sagt Frau Mazurek. Hierzu wird den Patienten in Berlin wie auch in Tübingen eine etwa zweiwöchige Intensivbehandlung angeboten. Dort erarbeiten die Ärzte zusammen mit dem Patienten eine individuelle Lösung. Bei der "Defokussierung" lernt der Patient die Geräusche nicht mehr für wichtig zu nehmen. Wenn die Therapie erfolgreich ist, blendet das Gehirn sie schließlich, wie viele andere Umweltgeräusche aus, erläutert Professor Zenner.
Hildegard Kaulen: Tinnitus: schwer therapierbares Problem? Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (8): S. 361-362

 
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