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Pflanzenöstrogene als Anti-Aging-Mittel |
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Der rapide Östrogenabfall in der Menopause trägt maßgeblich zur hormonellen Hautalterung bei. Eine Hormonsubstitution bietet postmenopausalen (nach den Wechseljahren d. Red.) Frauen die Möglichkeit, diesen endogenen Hormonmangel auszugleichen. Trotz des nachgewiesenen Nutzens auf klimakterische Symptome und die Hautalterung wird eine Hormonersatztherapie zur Zeit aufgrund der ersten Ergebnisse aus der „Women Health Initiative“ mit der Auswertung einer großen amerikanischen epidemiologischen Studie zur Hormonerstatztherapie bei Frauen kontrovers diskutiert.
Viele Frauen lehnen eine systemische Hormonsubstitution aufgrund der potenziellen Risiken hinsichtlich Ovarialkarzinomen (Eierstockkarzinom d. Red.), Myokardinfarkt (Herzinfarkt d. Red.), Thrombosen und Apoplex (Schlaganfall d. Red.) ab. Aber auch topisch (äußerlich d. Red.) applizierte Östrogene führen zu einer besseren Organisation der elastischen Fasern, zu einer Erhöhung des Gehalts an Kollagen Typ III, Steigerung von Dicke und Elastizität der Haut, Reduktion der Hauttrockenheit und Verminderung der Faltentiefe. Eine topische Applikation von Östrogenen erscheint daher hinsichtlich der positiven Wirkung auf die Hautalterung vielversprechend, doch aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen dürfen kosmetischen Produkten keine Hormone zugesetzt werden.
Phytoöstrogene (Pflanzenhormone d. Red.) bieten Frauen eine Alternative und zeichnen sich neben der guten Wirksamkeit durch eine sehr gute Verträglichkeit und Sicherheit aus. Phytoöstrogene finden sich in einer Vielzahl von pflanzlichen Lebensmitteln und werden täglich mit der Nahrung aufgenommen. Die östrogenähnliche Wirkung von bestimmten Pflanzen wurde 1926 erstmals beschrieben. Bis 1975 wurden mehrere hundert Pflanzen mit östrogenähnlicher Wirkung identifiziert. Phytoöstrogene werden in die drei Gruppen Isoflavone, Lignane und Coumestane unterteilt. Isoflavone sind in tropischen Früchten, in Kaffee, in Artischocken und in Trauben enthalten. Der höchste Gehalt von Isoflavonen befindet sich in Sojabohnen. Die hauptsächlichen Bestandteile der Isoflavone sind Genistein und Daidzein. Diese nicht-steroidalen Moleküle besitzen aufgrund der strukturellen und funktionellen Homologie mit 17-ß-Östradiol eine Östrogen-ähnliche Wirkung. Vermutet wird derzeit, dass Phytoöstrogene ähnlich wie die Östrogene mit dem Östrogenrezeptor interagieren. Epidemiologischen Studien zufolge ist der Konsum phytoöstrogenhaltiger Nahrungsmittel ernährungsphysiologisch empfehlenswert. So sind westliche Zivilisationskrankheiten in Asien und anderen Ländern mit einer Soja-reichen Ernährung deutlich geringer. Insbesondere Hormon-abhängige Tumore wie Brust-, Prostata- und Ovarialkrebs sowie kardiovaskuläre Erkrankungen treten aufgrund der besonderen Ernährungsgewohnheiten in diesen Ländern seltener auf.
Nach transdermaler (über die Haut d. Red) Absorption reichern sich die beiden Isoflavonoide in der Haut an, ohne sich in höheren Konzentrationen im Organismus zu verteilen. Die biologische Potenz der Isoflavonoide ist deutlich geringer als bei synthetischen Östrogenen, wie Bioassays humaner Zellkulturen belegen. Definiert man die biologische Potenz der Östrogene mit 100, liegt Genistein bei 0,084 und Daidzein bei 0,013. Demnach sind systemische Nebenwirkungen nach topischer Applikation unwahrscheinlich. Die Wirksamkeit einer Isoflavon-haltigen Lokaltherapie wurde im Rahmen einer kontrollierten, offenen Multizenter-Studie an 234 psotmenopausalen Frauen an acht verschiedenen europäischen Kliniken in Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz und in Spanien untersucht. Die topische Applikation der Isoflavon-haltigen Intensivpflege erfolgte über 12 Wochen zweimal täglich auf das Gesicht, den Hals und jeweils einen Oberarm. Der andere Arm blieb unbehandelt und diente als Kontrolle. Die Auswertung basiert auf den klinisch-dermatologisch erhobenen Parametern Trockenheit, Rauheit, Falten und die Atonie der Haut und auf objektivierbaren Befunden mit einem semiquantitativen Messgerät zur Beurteilung der Hautfalten (DensiScore®). Der mit dem DensiScore® gemessene Faltenscore verbesserte sich bei dem behandelten im Vergleich zu dem unbehandelten Arm signifikant um durchschnittlich 17% (p<0,05). Die Beurteilung durch den Studienarzt zeigte, dass die Haut weniger trocken (33%), weniger rau (22%) ist, eine höhere Tonizität (24%) hatte und weniger Falten (20%) festgestellt wurden. Neben dem subjektiven Urteil der Probandinnen und der Beurteilung durch den Arzt wurde der positive Effekt einer Isoflavon-haltigen Creme auf die postmenopausale Haut durch eine objektive, instrumentalisierte Messung bestätigt. Zur Überprüfung der Wirksamkeit und Verträglichkeit kosmetischer Präparate raten wir wie in dieser Studie, instrumentalisierte objektivierbare Messmethoden zu verwenden. Das Studienprojekt hat uns zudem gezeigt, dass es möglich ist, auch Studien aus dem dermato- kosmetischen Bereich multizentrisch und kontrolliert anzulegen. Die Isoflavon-haltige Lokaltherapie eröffnet postmenopausalen Frauen eine wirkungsvolle Option die Zeichen der endogenen Hautalterung zu korrigieren.
Vorgetragen von PD Dr. med. Christiane Bayerl, Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie Klinikum Mannheim GmbH auf der 9. Münchner Fortbildung für Dermatologie und Kosmetik vom 29.11.2003 - 30.11.2003, Forum Hotel München, Hochstrasse 3, D-81669 München |