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Überall findet man die Deutschen auf den hinteren Plätzen: PISA, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftslage. Überall? Nein, beim Bluthochdruck sind wir nicht zu schlagen. 55 Prozent der Deutschen zwischen 35 und 64 Jahren haben einen Blutdruck über 140/90 mmHg. In den USA sind es etwa die Hälfte. Nur etwa jeder vierte Hypertoniker erhält in Deutschland Medikamente gegen seinen erhöhten Blutdruck. Von den behandelten Patienten haben in Deutschland jedoch nur rund 15 Prozent Werte unter 140/90 mmHg. Ergebnis: Pro 100.000 Einwohner sterben jährlich 41,5 Deutsche an einem Schlaganfall, aber nur 27,9 US-Amerikaner.

Alarmierende Zahlen, meinen die Experten Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Leiterin des Interdisziplinären Stoffwechsel-Centrums an der Charité Berlin und ärztliche Leiterin des Evangelischen Geriatriezentrums Berlin (EGZB) sowie Prof. Dr. Peter Baumgart, Chefarzt der Inneren Abteilung des Clemenshospitals in Münster. „Die Ursachen sind vielschichtig", beklagt Prof. Baumgart den Missstand. „Das Problem hoher Blutdruck ist im Bewusstsein der Menschen nicht richtig verankert. Bluthochdruck hat bei vielen nicht den Stellenwert, den er haben sollte." Aber auch um die Veränderungsbereitschaft ist es bei den Deutschen schlecht bestellt. „Von den Patienten, die wissen, dass sie einen erhöhten Blutdruck haben, sind viele nicht bereit, eine konsequente Behandlung durchzuführen." Häufig sei Nachlässigkeit und mangelndes Gesundheitsbewusstsein dafür verantwortlich.

„Viele machen sich jedoch auch Sorgen, dass eine konsequente Behandlung, insbesondere mit Medikamenten, mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte", so Baumgart. „Diese Einstellung ist heute sicher falsch und durch Studien widerlegt. Mit den heute verfügbaren Medikamenten sind Nebenwirkungen, die zum Therapieabbruch führen, eher selten geworden." Dennoch meiden viele Menschen den Weg zum Arzt und die Einnahme von Medikamenten. „Alternative" Mittel kommen dann häufig zum Einsatz. „Rotwein, Knoblauch und Artischocken stehen bei den Menschen hoch im Kurs. Für den Nutzen gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Beweis", sagt Baumgart. Die Folgen der schlechten Blutdruckeinstellung sind leider oft tödlich. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit über 47 Prozent die Todesursache Nummer eins in Deutschland. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Dass vor dem Schlaganfall schon lange Jahre ein Bluthochdruck bestand, erfahren jedoch viele erst, wenn es zu spät ist. „Etwa 70 Prozent der Patienten wissen vor ihrem Schlaganfall nicht, dass sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhtes Cholesterin haben", berichtet Prof. Elisabeth Steinhagen-Thiessen. „Daher rate ich jedem Menschen, ab dem 20. Lebensjahr regelmäßig Blutdruckkontrollen durchführen und seine Blutfette alle fünf Jahre messen zu lassen. Denn hoher Blutdruck zusammen mit hohem Cholesterin ist besonders gefährlich." Die Behandlung der Risikofaktoren ist entscheidend, um einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu verhindern. Eine medikamentöse Behandlung ist in den meisten Fällen unumgänglich. Diese ist heutzutage mit wirksamen und nebenwirkungsarmen Medikamenten möglich.

 
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