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Schlaganfall: Vielen Deutschen liegt er im Blut Drucken E-Mail

"Es war ein heißer Sommertag. Ich hatte im Garten gearbeitet, Beete umgegraben. Die Hitze machte mir nichts aus“, erinnert sich Marlies S. (58) „Plötzlich klingelte im Haus das Telefon: meine Schwiegertochter. Während des Telefonats wurde mir mit einem Mal schwindelig und ich bekam rasende Kopfschmerzen. Der Hörer fiel mir aus der Hand. Dann wurde mir schwarz vor Augen. Ich wachte erst im Krankenhaus wieder auf. Der Arzt teilte mir mit, ich hätte einen Schlaganfall gehabt. Kaum zu glauben: Bis zu diesem Tag hatte ich mich immer kerngesund gefühlt.“ Szenen wie diese spielen sich in Deutschland täglich ab. Jährlich erleiden rund 200.000 Bundesbürger einen Gehirnschlag. An dessen Folgen verstarben laut Statistischem Bundesamt 2001 mehr als 40.000 Menschen.

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Viele trifft er wie aus heiterem Himmel. Sie fühlen sich vorher weder krank noch bemerken sie Vorboten. Lediglich bei 40 Prozent der Betroffenen gibt es zuvor bereits erste Symptome.

Was passiert bei einem Schlaganfall? Tatort für den „Infarkt im Kopf" ist das Gehirn: Durch den Verschluss einer Arterie wird die Blutzufuhr unterbrochen. Das geschieht beispielsweise dann, wenn sich ein Blutgerinnsel wie ein Pfropfen in das Gefäß setzt und es verstopft. Wichtige Gehirnzellen sind dann plötzlich unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Sie sterben ab – und das schon nach wenigen Minuten. Mit schwerwiegenden Folgen: Sprach- und Verständnisstörungen, Gefühlsstörungen sowie Lähmungen einer Körperseite zählen zu den häufigen Krankheitssymptomen. Rund 20 Prozent der Betroffenen sterben sogar innerhalb von vier Wochen.

Oft gilt: Erst Bluthochdruck, dann Schlaganfall

Was viele nicht wissen: Bluthochdruck ist der Risikofaktor Nummer Eins für einen Schlaganfall. Wer seinen Blutdruck regelmäßig messen lässt, kann sein Risiko einschätzen. Der optimale Wert liegt auf der Quecksilbersäule bei 120/80 mmHg. Ab 140/90 gilt der Blutdruck als erhöht. Misst der Arzt zum wiederholten Mal erhöhte Werte, spricht er von „Hypertonie". Die genaue Ursache dafür bleibt in über 90 Prozent der Fälle unklar. Sicher ist jedoch, dass bestimmte Risikofaktoren wie Übergewicht, übermäßige Salzzufuhr, vermehrter Alkoholkonsum oder auch Bewegungsmangel den hohen Blutdruck fördern.

Je höher der Blutdruck, desto mehr muss das Herz arbeiten, um die Organe und das Gewebe mit Blut zu versorgen. Dies betrifft vor allem die Wand der linken Herzkammer. Sie verdickt sich, da sie mehr leisten muss (linksventrikuläre Hypertrophie). Hoher Blutdruck ist weiterhin einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) und ihrer gefährlichen, oft tödlichen Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen. 

  
  
Deutschland ist Bluthochdruckland

Bluthochdruck kann im Körper also eine Menge anrichten. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig behandeln zu lassen. Ein Blick auf den Herz-Kreislauf-Zustand der Deutschen zeigt jedoch, dass die Volkskrankheit immer noch unterschätzt wird: Bei der Zahl der Bluthochdruckpatienten liegt Deutschland weit vorn – bei der Behandlung hinken wir jedoch hinterher. Die Hypertonierate ist doppelt so hoch wie in den USA. Mehr als jeder zweite Deutsche zwischen 35 und 64 Jahren hat Bluthochdruck (55 Prozent), in den USA sind es in der gleichen Altersgruppe nur 28 Prozent. Zudem werden die deutschen Bluthochdruckpatienten medizinisch nicht ausreichend behandelt: In den USA nehmen 53 Prozent der Betroffenen blutdrucksenkende Medikamente ein, in Deutschland sind es nur 26 Prozent. Kaum verwunderlich also, dass in Deutschland jährlich deutlich mehr Menschen am Schlaganfall sterben (41,5 von 100 000 Einwohnern) als in den USA und Kanada (27,6).

Viele dieser Todesfälle ließen sich vermeiden. Den Blutdruck zu senken kann lebensrettend sein. Das beginnt mit der Veränderung der Lebensgewohnheiten: nicht mehr rauchen, mehr Bewegung, Reduzieren des Übergewichts und Einschränkung der Kochsalzzufuhr. Doch den meisten Menschen fällt die Umstellung schwer – und häufig reicht sie nicht aus, um den Blutdruck dauerhaft zu senken. Deshalb ist es ratsam, seinen Arzt aufzusuchen, damit frühzeitig eine Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten erfolgen kann. Viele dieser Präparate können jedoch mit unangenehmen Nebenwirkungen wie Reizhusten oder Potenzstörungen einhergehen. Mit der neuesten Gruppe der Blutdrucksenker – den Sartanen – können Nebenwirkungen minimiert werden.

Medikament senkt das Schlaganfallrisiko um 25 %

Die auch Angiotensin-II-Antagonisten genannten Medikamente wirken unter anderem der Gefäßverengung entgegen. Dadurch kommt es zu einer Senkung des Blutdrucks. Als erstes Sartan wurde 1995 Lorzaar (Losartan, MSD) in Deutschland zugelassen. Es hat sich seitdem als gut verträgliches Mittel zur Blutdrucksenkung bewährt. Die Effektivität über die Blutdrucksenkung hinaus unterstreicht die im März 2002 veröffentlichte LIFE-Studie (Losartan Intervention For Endpoint Reduction In Hypertension).

An der Studie nahmen mehr als 9.000 Patienten teil, die an einem mittelschweren bis schweren Bluthochdruck sowie einer bereits im EKG nachweisbaren Verdickung des linken Herzmuskels litten. Ziel der Studie war es, die Auswirkungen von zwei unterschiedlichen blutdrucksenkenden Therapieansätzen (auf Basis von Losartan oder dem Betablocker Atenolol) auf das Auftreten von gravierenden Folgeschäden des Bluthochdrucks zu untersuchen. Das Ergebnis: Verglichen mit dem gängigen Betablocker konnte in der Losartangruppe das Schlaganfallrisiko um 25 Prozent gesenkt werden. Damit konnte das Medikament jeden vierten Schlaganfall verhindern. Und es bietet auch in Deutschland eine gute Chance, die Zahl der Todesfälle durch Schlaganfall zu verringern. Losartan ist heute weltweit der meistverordnete Angiotensin-II-Antagonist.

 
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