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Die unterschätzte Krankheit
Probleme mit der Erektion sind weit verbreitet – und oft mehr als ein kleiner Aussetzer. Bei fast drei Vierteln aller betroffenen Männer liegt eine organische Ursache vor. Doch nur jeder Zehnte geht damit zum Arzt. Die Luft knistert vor Erotik, die Sinne toben, doch die Erektion bleibt aus. Was junge Liebhaber als peinliche Panne erleben, wird für viele Männer mit zunehmendem Alter zum dauerhaften Problem. Allein in Deutschland sind sechs bis acht Millionen Männer von Erektionsstörungen (Erektile Dysfunktion) betroffen. In etwa jeder siebten Partnerschaft, in der der Mann älter als 40 ist, leidet das Liebesleben aus diesem Grund. Erektionsstörungen sind längst zu einem Volksleiden geworden. Die Zahl der Betroffenen hat in den letzten 50 Jahren erheblich zugenommen. Während der Kinsey-Report von 1948 noch eine Quote von 18 Prozent belegte, leiden heute bereits 52 Prozent der Männer zwischen 40 und 70 an Erektionsstörungen unterschiedlicher Ausprägung. Diese Zahl ist das Ergebnis der Massachusetts Male Aging Study von 1994, der international am häufigsten zitierten Untersuchung. Das heißt: Jeder zweite Mann über 40 muss zumindest hin und wieder auf die Standfestigkeit seines Penis verzichten. Weltweit schätzt man die Zahl derer, die an mittleren bis schweren Erektionsstörungen leiden, auf rund 169 Millionen.
„Erektionsstörungen wurden lange Zeit als vorwiegend psychisches Problem gesehen", erklärt der Urologe Dr. Theodor Klotz. „Das ist falsch. In 70 Prozent der Fälle liegt eine organische Ursache vor. Als Symptom können Erektionsprobleme Hinweis auf eine chronische Erkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes sein." Trotzdem sprechen nur wenige Betroffene mit ihrem Arzt darüber, nur jeder Zehnte sucht wegen seiner Erektionsstörungen medizinische Hilfe. Viele sehen die Erektionsstörungen eher als persönliche Schwäche denn als ernst zu nehmende Krankheit. So bleiben die Ursachen beim Großteil der Betroffenen ungeklärt, Grunderkrankungen werden nicht erkannt und die Störung wird nicht behandelt.
Eine chronische Erektionsstörung liegt vor, wenn der Versuch, Geschlechtsverkehr zu haben, bei etwa drei von vier Malen erfolglos bleibt – und das über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Warum die Potenz mit zunehmendem Alter immer häufiger Probleme macht, kann unterschiedliche Gründe haben: Die Erektionsfähigkeit beruht auf einem Zusammenspiel von Nerven, Botenstoffen und Blutstrom. Chronische Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck, aber auch Herzleiden und Hormonstörungen beeinträchtigen den komplexen Mechanismus, der zur Versteifung des Penis führt. Außerdem können Prostata-Operationen und Verletzungen in der Beckenregion Erektionsstörungen mit sich bringen. Als Risikofaktoren gelten ferner starkes Rauchen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, ein hoher Cholesterinspiegel und die Einnahme von bestimmten Medika-menten. Auch psychische Ursachen wie Stress, Müdigkeit, Konflikte oder psychische Krankheiten können die Potenz vermindern.
„Ist die Erektionsstörung erst einmal erkannt, gibt es diverse Behandlungs-möglichkeiten", erklärt Dr. Klotz. „Die Palette der Potenzmittel reicht von medikamentösen Therapien als Injektion oder als Tablette bis hin zur Vakuum-Pumpe oder sogar zu einer Penisprothese. Als Mittel der ersten Wahl gelten heute Tabletten, sogenannte PDE-5-Inhibitoren. Diese sind verschreibungspflichtig – das heißt, der Weg zum Arzt ist Pflicht."
Quelle: Fischer Appelt Kommunikation
| Glossar | |
| Alprostadil | Wirkstoff, der dem natürlichen, hormonähnlichen Stoff Prostaglandin E1 entspricht. Wird seit Mitte der 90er Jahre zur Behandlung von Erektions-störungen eingesetzt, als Harnröhrenzäpfchen (s. a. MUSE und transurethrale Therapie) oder als Injektion (s. a. SKAT). Alprostadil bewirkt eine Gefäßerweiterung im Penis und eine Zunahme des Blutstroms, die zur Erektion führen. |
| Anamnese | Erhebung der Krankengeschichte im ärztlichenGespräch. |
| Apomorphin | Wirkstoff in Tabletten gegen Erektionsstörungen.Seit Mitte 2001 erhältlich. Apomorphine wirkennicht direkt im Penis, sondern im Erektions-zentrum des Gehirns und werden vor allem beipsychisch bedingten Erektionsstörungenempfohlen. |
| Arteriosklerose | (auch Atherosklerose) Krankhafte Veränderungder Arterien, zum Beispiel durch Verhärtung,Verdickung, Elastizitätsverlust und Einengungen. |
| Corpus cavernosum | = Schwellkörper im Penis |
| Diabetes mellitus | Stoffwechselstörung, durch die die Zuckerwerteim Blut erhöht sind, was zu einer Schädigung derBlutgefäße und Nerven führt und die Ausbildung einer Arteriosklerose begünstigt. Diabetiker leiden häufig unter Erektionsstörungen. |
| Enzyme | Eiweißverbindungen, die als Katalysatoren bio-chemische Vorgänge ermöglichen oder beschleunigen. |
| Erektile Dysfunktion | = Erektionsstörungen, EDErektile Dysfunktion ist die über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten bestehende oder wieder-holt auftretende Unfähigkeit, eine ausreichende Erektion für einen befriedigenden Geschlechts-verkehr zu erreichen und / oder aufrecht zu erhalten. |
| Erektion | Versteifung des männlichen Gliedes durch Blut-stauung in den Schwellkörpern. |
| Hypertonie | Bluthochdruck, ab 140/90 mmHg. Weit verbreiteteZivilisationskrankheit, die zunächst keine Beschwerden verursacht, die auf Dauer jedoch das Risiko für Herzschwäche und Schlaganfallerhöht, die Organe schädigt und Erektions-störungen verursacht. |
| Koronare Herzkrankheit | = KHKVerminderung der Blut- und somit der Sauerstoff-zufuhr zum Herzmuskel durch Einengung oder Verschluss der Herzkranzgefäße. |
| MUSE | = transurethrale ApplikationAbkürzung für "Medikamentöses Urethrales System zur Erektion" (in die Harnröhre appliziertes Alprostadil) |
| Nitrate, Nitro-Präparate | Nitro-Kapseln und Nitro-Sprays werden zurBehandlung der Koronaren Herzkrankheiteingesetzt. Sie reduzieren die Belastung und somit auch den Sauerstoffbedarf des Herzens. PDE-5-Hemmer sind in Kombination mit Nitro-Präparaten kontraindiziert, das heißt die Einnahme ist aufgrund der Wechselwirkung der Medikamente strengstens untersagt |
| PDE-5-Hemmer | (auch PDE-5-Inhibitor) Wirkstoff-Art, die eine Erektion dadurch ermöglicht, dass sie das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5) im Schwellkörper des Penis hemmt und Gefäßerweiterung und Blutzustrom fördert. Zu den modernen PDE5-Hemmern zählen die Wirkstoffe Vardenafil, Sildenafil und Tadalafil. |
| Phosphodiesterase 5 | (auch PDE-5) Enzym, das im Schwellkörper desPenis vorkommt und normalerweise dafür sorgt,dass eine Erektion wieder aufhört. Durch die PDE-5 zieht sich die Gefäßmuskulatur des Peniszusammen. Folge: Weniger Blut strömt in den Penis und er wird wieder schlaff. |
| Prostatektomie | Operation, bei der die Prostata (Vorsteherdrüse)vollständig entfernt wird. Eine Prostatektomie führtsehr häufig zu Erektionsstörungen aufgrund von Nervenverletzungen durch die OP. |
| Vardenafil | Neben Sildenafil und Taldalafil einer der sogenannten PDE-5-Hemmer zur Behandlung von Erektionsstörungen. |
| SKAT | Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie. Dabei wirdu.a. der Wirkstoff Alprostadil mit einer dünnenNadel in den Penisschaft injiziert, um die Blut-gefäße zu erweitern und eine Erektion hervor-zurufen. |
| Schwellkörper | Schwammgewebe (zum Beispiel im männlichenGlied), dessen Hohlräume sich mit Blut füllenkönnen, so dass eine Erektion entsteht. |
| Yohimbin | Alkaloid aus der Rinde des in Zentralafrika wachsenden Yohimbe-Baumes, das schon seit 1923 zur Behandlung von Erektionsstörungen eingesetzt wird. Yohimbin blockiert bestimmte Rezeptoren (alpha 2) im Gehirn, die erektionshemmend wirken. Erfolge wurden lediglich bei Patienten mit Erektionsstörungen rein psychischer oder arterieller Ursache erzielt. |
| Transurethrale Applikation | Mit einem speziellen Applikator wird ein reiskorn-großes Harnröhrenzäpfchen mit dem WirkstoffAlprostadil in die Harnröhre eingeführt, um eineErektion hervorzurufen. |
| Zyklisches Guanosinmonophosphat (cGMP) | Wichtiger Botenstoff in der glatten Muskelzelle im Schwellkörper des Penis, das bei einer Erektion für die notwendige Gefäßerweiterung und den Blutzustrom sorgt. cGMP wird normalerweise durch das Enzym PDE-5 wieder abgebaut, woraufhin der Penis erschlafft. |
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