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Von der Spanischen Fliege zum Nashornpulver
Der Wunsch nach ewiger Potenz ist Jahrtausende alt. In allen Völkern und Kulturen experimentierten Männer mit Wundermitteln verschiedenster Art. So schworen die alten Griechen auf den Granatapfel. Zur Stärkung der Potenz kelterten sie aus der Vitamin C-haltigen Frucht Wein und genossen diesen bei Festen als Liebestrank. Als Geheimtipp zur Wiederherstellung verlorener Manneskraft schätzte man in der Antike auch das Basilikum. Was wir heute eher zu Pesto verarbeitet kennen, war unter dem Namen „Königskraut" bekannt und beliebt. Griechische Dirnen parfümierten sich mit Basilikumduft, um ihre Freier zu betören.
Wenn es darum ging, der Libido oder der Potenz auf die Sprünge zu helfen, standen die Alten Römer den Griechen in nichts nach. Die kleine kugelrunde, goldgelbe Frucht der Alraune (lat.: Mandragora officinarum) galt bei ihnen als Scharfmacher erster Güte. Nicht nur Männer setzten auf die potenzfördende Kraft des Obstes. Auch die selbstbewussten Römerinnen verschafften sich mit der Alraune einen leichten Rauschzustand, der die Fruchtbarkeit erhöhen sollte. Der römische Kaiser Tiberius (42 v. Chr.-37 n. Chr.) gab sich damit nicht zufrieden. Der Legende nach litt er so sehr unter seiner Impotenz, dass er auf ein Mittel aus der Fauna zurückgriff. Er sandte Soldaten nach Germanien aus, um Singvögeln die Zungen herausschneiden zu lassen. Vom Verzehr versprach sich Tiberius die Heilung seines Leidens.
Was im Alten Rom Sinnesfreuden versprach, schätzten Männer im Mittelalter erst recht. Noch immer erfreute sich die Alraune großer Beliebtheit. Als wirksames Mittel zur Steigerung der Liebeskraft galten selbstgeschnitzte Amulette aus der Wurzel der Pflanze. Weitaus gefährlicher lebte, wer von Alchimisten hergestelltes Alraunenwasser trank. Bei falscher Dosierung ereilte den Patienten ein qualvoller Tod durch Atemlähmung. Auch König Heinrich IV. (1050-1106) riskierte für die Potenz seine Gesundheit. Er soll ein Pulver konsumiert haben, das bis heute unter dem Namen „Spanische Fliege" bekannt ist. Der darin enthaltene Stoff Cantharidin wird aus einem grünlich glänzenden Käfer (Cantharis vesicatoria) gewonnen. Gemahlen und mit Flüssigkeit vermischt getrunken, reizt der Stoff Harnröhre und Harnblase so stark, dass eine Erektion eintreten kann. Doch das kann böse Folgen haben. Cantharidin gilt als Nierengift und bewirkt in zu hohen Mengen schwere Harnwegserkrankungen. Trotzdem wird die „Spanische Fliege" noch heute in Sex-Shops angeboten, allerdings in ungefährlicher niedriger Dosierung.
Große Versprechungen, zweifelhafter Erfolg – auf dem Markt der Potenzmittel gibt es auch im dritten Jahrtausend noch viele schwarze Schafe. Extrakte des Stechapfels beispielsweise gelten zwar seit altersher als erektionsfördernd, sind aber hochgiftig. Die amerikanischen Sexualforscher William H. Masters und Virginia Johnson berichten, dass sich Teilnehmer einer Studie nach Einnahme der berauschenden Substanz nicht mehr an den Geschlechtsverkehr und den Höhepunkt erinnern konnten.
Andere Länder, andere Sitten. Asiatische Männer begeistern sich bis heute für Nashornpulver. Dieses verdankt seinen Ruf der Tatsache, dass sich ein Rhinozeros-Bulle drei bis vier Stunden am Stück mit einer Nashornkuh verlustieren kann. Für die potenzfördernde Wirkung gibt es bislang jedoch keine Beweise. Sicher ist aber, dass die Jagd auf das für astronomische Preise gehandelte Horn die Ausrottung der Tiere erheblich vorantreibt.
Mit zweifelhaften Wundermitteln muss heutzutage niemand mehr experimentieren. Die moderne Medizin bietet gut verträgliche Medikamente gegen Erektionsstörungen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Es kann so einfach sein – auch ohne selbstgeschnitzte Amulette und Jagd auf seltene Tiere.
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