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Aufbaukur für das Gehirn

fzm - Wer mit dem Stichwort "Kognitives Training" nur die kleinen Rätselhefte verbindet, mit denen Apotheken zum Gehirnjogging einladen, liegt falsch: Beim Kognitiven Training handelt es sich um eine wissenschaftlich fundierte, symptomorientierte Therapie, mit der die geistigen Fähigkeiten von Patienten gezielt aktiviert werden. Das Kognitive Training gilt damit als wichtiger Stützpfeiler der Ergotherapie.

Wie die Stuttgarter Ärztin Sabine Ladner-Merz betont, haben verschiedene Methoden und Materialien des Kognitiven Trainings ihre Wirksamkeit bereits in wissenschaftlichen Studien unter Beweis gestellt. In der Fachzeitschrift "ergopraxis" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) stellt Ladner-Merz eine dieser evaluierten Methoden, das Kognitive Training nach Dr. med. Franziska Stengel, vor.

"Bei Patienten mit neuropsychologischen Störungen sind Wahrnehmung, Konzentration und Merkfähigkeit oft eingeschränkt", erläutert Sabine Ladner-Merz. So könne es etwa nach einem Schlaganfall zu ausgeprägten Störungen in diesem Bereich kommen, die auch die Fähigkeit zur Problemlösung im Alltag beeinträchtigen. Das Kognitive Training nach Franziska Stengel arbeitet daher gezielt mit Fragestellungen und Inhalten aus dem täglichen Leben. Auch das verwendete Material sollte "sinnhaft" sein, also einen Alltagsbezug haben. Die Arbeit mit abstrakten Materialien wie etwa Zahlenreihen oder reine Papier-und-Bleistift-Aufgaben lehnt die Stengel-Pädagogik dagegen ab. Wichtig ist auch, dass das Training in absolut stressfreier Atmosphäre stattfindet – die Patienten sollen weder Leistungs- noch Zeitdruck empfinden. Denn jede Form von Stress bremst Lern- und Regenerationsvorgänge im Gehirn. "Positive Situationen, stressfreie, freundliche Kontakte zu anderen Menschen und interessante Fragestellungen fördern dagegen das Wachstum und die Neuverknüpfung von Nervenzellen", erläutert Ladner-Merz, die als ärztliche Leiterin der Akademie für Kognitives Training nach Dr. med. Franziska Stengel in Stuttgart tätig ist.

Ein zentrales therapeutisches Ziel der Stengel-Methode ist es, die Autonomie der Patienten zu fördern. In der Praxis lässt sich dies mithilfe einer speziellen Fragetechnik erreichen: Die Ergotherapeuten vermeiden einen abfragenden oder gar quizartigen Gesprächsverlauf. Vielmehr leiten sie die Patienten so an, dass sie den Lösungsweg letztlich selbst erkennen und die fraglichen Zusammenhänge selbstständig erfassen. "Weil die Fragestellungen aus dem täglichen Leben stammen, gewinnen die Patienten so auch neue Erkenntnisse und haben Aha-Erlebnisse", so Ladner-Merz. Das wiederum wirkt Depressionen entgegen und hebt das Selbstwertgefühl. Bei der Bearbeitung der Aufgaben dürfen und sollen sich die Patienten auch gegenseitig unterstützen.

Das Kognitive Training nach Stengel kennt drei Arten des therapeutischen Vorgehens: Den symptomorientierten Ansatz, bei dem nach einer zielgerichteten neuropsychologischen Diagnostik entsprechend den vorliegenden Symptomen therapiert wird. Zweitens das umgekehrt symptomorientierte, also ressourcenorientierte Vorgehen: Nach der neuropsychologischen Diagnostik wird vorwiegend mit den Ressourcen gearbeitet, um Frustration und Misserfolgserlebnisse zu verhindern – beispielsweise bei einer Alzheimer Demenz oder auch in der Anfangstherapie von Patienten mit einer Depression. Zum dritten verfolgt die Stengel-Therapie jedoch auch einen allgemein geistig aktivierenden Ansatz, der darauf abzielt, möglichst breit möglichst viele Hirnleistungen zu fördern. Hör-, Tast- und andere Sinnesübungen zählen daher ebenso zum Stengel-Material wie Übungen zur schnellen Informationsverarbeitung oder zur Problemlösung. Sabine Ladner-Merz verweist auf eine aktuelle Therapiestudie, in der das Kognitive Training nach Stengel derzeit untersucht wird. Erste vorläufige Ergebnisse dieser Studie zeigen – wie bereits frühere Untersuchungen –, dass kognitives Training nicht allein kognitive Funktionen fördert, sondern auch schmerzlindernd wirkt und den Gesundheitszustand und die Lebensqualität positiv beeinflusst. "Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, erhielte das Kognitive Training in Zukunft einen bedeutend größeren Stellenwert", so die Stuttgarter Ärztin. Und das nicht nur bei Patienten mit Hirnleistungsstörungen.

Quelle: S. Ladner-Merz: Kognitives Training in der Ergotherapie. ergopraxis 2008; 1 (5): S. 24-27

Bild: (c) Rainer Sturm / pixelio

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