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Warum Plazebos nicht bei jedem wirken

Plazebos sind Scheinmedikamente ohne Wirkstoff, die bei manchen Erkrankungen aber fast so gut helfen wie die echten Mittel. Doch nicht alle Patienten lassen sich "täuschen". Ob sie sich überzeugen lassen, hängt nach Ansicht des Psychotherapeuten Professor Paul Enck von der Universität Tübingen unter anderem davon ab, ob Arzt und Patient männlich oder weiblich sind.

In der DMW Deutschen Medizinischen Wochenschrift untersuchte Professor Enck die Plazebowirkung beim Reizdarm-Syndrom, das zu den "funktionellen" Erkrankungen zählt. Funktionell bedeutet, dass die Ärzte auch bei einer Darmspiegelung keine "organischen" Auffälligkeiten finden, obwohl die Patienten über erhebliche Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten klagen. Laut Enck ist die Plazebo-wirkung beim Reizdarm-Syndrom besonders unterschiedlich: "In einigen Studien sprachen 84 Prozent der Patienten auf ein Plazebo an, in anderen waren es nur drei Prozent". Den Grund vermutete Professor Enck weniger beim Patienten, als bei den Ärzten. Deshalb wertete er eine Studie aus, in welcher Angaben zur Person des Arztes gemacht wurden.
In der Studie waren einige Patienten von einer Ärztin behandelt worden: eine Internistin mit einer Zusatzausbildung in Psychotherapie. Wenn diese Ärztin die Plazebos verteilte, wirkten sie besser: Bei jedem dritten Patienten (33 Prozent) besserte sich der Zustand. Verteilten ihre männlichen Kollegen (ohne Zusatzausbildung) die Tabletten, wirkten sie nur bei jedem vierten bis fünften Patienten. "Ähnliche Erfahrungen wurden in Plazebo-Studien zur Akupunktur gemacht. Dabei erhielten die Patienten eine Scheinakupunktur. Professor Enck: Wenn die Nadeln (die nur scheinbar in die Haut einstachen) von weiblichen Therapeuten gesetzt wurden, waren die Patienten häufiger überzeugt, eine echte Akupunktur erhalten zu haben, als wenn männliche Akupunkteure am Werk waren.
Die Studie von Professor Enck zeigt außerdem: Frauen sprechen häufiger auf Plazebos an als Männer In der Studie besserte sich bei jeder zweiten Patientin das Reizdarm-Syndrom, bei Männern war es nur etwa jeder vierte. Der Zusammenhang sei jedoch statistisch nicht gesichert und müsse noch durch weitere Studien gesichert werden. Der Psychosomatiker Enck vermutet, dass auch die Qualifikation der Ärzte sowie die Dauer und die Anzahl der Arztkontakte des Patienten die Plazebowirkung beeinflussen. Selbst der kulturelle Hintergrund, die Nationalität und der Ort der Studie könnten einen Einfluss haben.

P. Enck et al.: Determinanten der Plazebowirkung beim Reizdarm-Syndrom
Deutsche Medizinische Wochenschrift 2005; 130 (34/35): 1934-1937

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