Geist & Psyche

Stressbremse auf vier Pfoten

Haustiere, vor allem Hunde, sind die idealen Stress- und Bewegungstherapeuten. „Seit Anfang der 80er Jahre wird die Bedeutung von Haustieren für die Gesundheit ihrer Besitzer näher untersucht,“ sagt Dr. Erhard Olbrich, Professor für Psychologie, psychologisches Institut der Universität Erlangen. „In Stresssituationen können Tiere eine gute Hilfe sein.

Hunde sind oft regelrechte „Sozial-Katalysatoren“. In ihrer Gegenwart wird mehr gelacht, mehr gesprochen und Berührungen der Menschen untereinander finden häufiger statt. Insgesamt ist die Atmosphäre entspannter,“ berichtet Prof. Olbrich über Studien zum sozialen Verhalten von Menschen untereinander in der Gegenwart von Tieren.

Was Tierbesitzer schon lange wissen, wurde jetzt auch wissenschaftlich bestätigt. Mehr als 900 Personen wurden nach Gesundheitszustand, Stressbelastungen und Haustieren befragt. In der Gruppe mit der größten Stressbelastung mussten die Tierbesitzer deutlich seltener (16 – 21 %) einen Arzt aufsuchen als die Nicht-Tierbesitzer. „Offensichtlich kann die Anwesenheit eines Tieres im Haushalt dazu beitragen, mit Stressbelastungen besser fertig zu werden,“ vermutet Dr. Judith Siegel von der University of California, Los Angeles. Zahlreiche Untersuchungen der letzten 15 Jahre konnten nachweisen, dass sich in der Gesellschaft eines Tieres Stresssymptome wie erhöhter Blutdruck, schneller Puls, Muskelanspannung und Ängste normalisieren. Hunde sind zudem ein Garant für regelmäßige Bewegung.

Auch in Prüfungssituationen scheint sich die Anwesenheit eines Tieres positiv auf die Stressbelastung auszuwirken. Bei Prüflingen, die entweder alleine, in Begleitung des Ehepartners oder ihres Hundes eine Prüfung zu bestreiten hatten, stiegen Puls und Blutdruck am wenigsten an, wenn ein Tier dabei war. In Begleitung des Ehepartners war der Stress am größten. „Wahrscheinlich wirken Hunde deshalb so beruhigend, weil sie nicht wählerisch sind,“ vermutet Dr. Karen Allan, Wissenschaftlerin an der Universität der Buffalo School of Medicine. Mit anderen Worten: Ihr Hund liebt sie, ganz gleich, ob Sie ein Überflieger oder ein totaler Versager sind – und diese Gewissheit beruhigt. „Wichtig für die Wirksamkeit des „Medikaments Hund“ ist aber, dass eine Beziehung zu dem Tier besteht. Um vom Tier als Stresstherapeut zu profitieren, muss die betreffende Person selbstverständlich Tiere mögen,“ warnt Professor Dr. Olbrich vor einem überstürzten Tierkauf.

Damit der Hund nicht selber zum Stressfaktor wird, sollten Sie bei der Wahl der Rasse darauf achten, dass Ihr Bewegungsbedürfnis in etwa dem des Hundes entspricht und auch die Wohnungsgröße zur End(!)größe des neuen Freundes passt. Der süße kleine Neufundländerwelpe füllt sonst möglicherweise ein Jahr später Ihre gesamte Küche aus.

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